Ein persönlicher Rückblick auf die Stationen meines Priesterlebens in Bensheim
1966 wurde ich von Bischof Hermann Volk im Mainzer Dom zum Priester geweiht – nach interessanten Studienjahren in Mainz und München. Diese Zeit hat mich geprägt: „Öffnet die Türen!“ – dieser Aufruf von Papst Johannes XXIII spiegelt die Aufbruchstimmung des Zweiten Vatikanums wider, das Gefühl, etwas bewegen zu können. Meine Lehrer an der Universität München, allen voran Karl Rahner und Heinrich Fries sowie der Regens des Priesterseminars in Mainz, Josef Maria Reuß, verkörperten diese Aufbruchstimmung. Ein weiteres epochales Ereignis war die Würzburger Synode von 1971 bis 1975. Zur Vorbereitung der Synode wurde eine intensive Befragung aller Katholiken ab 16 Jahren in der Bundesrepublik Deutschland durchgeführt mit dem Ziel, die Beschlüsse des Konzils auf die Verhältnisse in Deutschland anzuwenden. Nach heftiger Diskussion unter den Synodalen und den Bischöfen wurden gute Impulse verabschiedet. Leider hat Rom dieses Papier der deutschen Kirche unkommentiert in der Schublade verschwinden lassen. Bis heute ist das Schlussdokument der Würzburger Synode „Unsere Hoffnung“ zukunftsweisend.
Kaplan in St. Georg
Meine erste Liebe: Kaplan in St. Georg, Bensheim. 1967 begann ich dort meine Arbeit, damals unter Pfarrer Richard Fahney, eine Persönlichkeit, die mich, genau wie zuvor Josef Maria Reuß, tief beeindruckte. Er wurde in meinen jungen Anfangsjahren zum geistlichen Begleiter und später zu einem geschätzten Freund. Er war ein überzeugender Priester mit spirituellem Tiefgang, einer großen Menschenfreundlichkeit und einem mitreißenden Einsatz. Meine Aufgaben in St. Georg gestalteten sich vielfältig: Gottesdienste, Vorbereitung auf die Sakramente, Ministranten, Jugendarbeit, der ND (Bund Neudeutschland), Zeltlager, Unterricht an verschiedenen Schulen in Bensheim sowie viele Stunden im Beichtstuhl (in der Karwoche bis zu 30). Bensheims erste Gemeindereferentin Marlene Nikolay und ein zweiter Kaplan, Christian Dach, vervollständigten unser Team.
Lehrer an der Lichtenbergschule und Rektor des Ketteler Internats
Nach zwei Jahren als Kaplan in St. Georg verließ ich bereits 1969 Bensheim und verbrachte die nächsten prägenden zwei Jahrzehnte als Religionslehrer am Lichtenberggymnasium in Darmstadt und dann ab 1986 als Rektor des Ketteler-Internates in Mainz. Besonders die Arbeit mit Jugendlichen in meiner Darmstädter Zeit, das Unterrichten, die unzähligen Freizeiten mit der KSJ, meine sportlichen Hobbies und der Kontakt zu Menschen, der bis heute besteht, bereichern mein Leben.
Pfarrer in Heilig Kreuz
Die letzte Phase meines Berufslebens führte mich zurück nach Bensheim. Ich war offen für eine Veränderung und nahm die Herausforderung einer ersten Pfarrstelle nach 25 Jahren im priesterlichen Dienst gerne an. Ab 1. Februar 1991 übernahm ich die Pfarrei Heilig Kreuz in Auerbach von meinem Vorgänger Engelbert Prieß. Parallel trat ich eine Stelle an als Religionslehrer am AKG in Bensheim.
Wirken im Sinne des Zweiten Vatikanums
Meine pastoralen Schwerpunkte in Heilig Kreuz entsprachen dem Motto, das ich mir gegeben hatte: den christlichen Glauben zu den Menschen bringen, damit er eine Lebensrelevanz bekommt. So entwickelten wir (Gemeindereferentin Martina Schlag, meine ersten Diakone und ich) ein neues Konzept für die Vorbereitung auf die Grundsakramente Taufe, Erstkommunion und Firmung. Weitere Schwerpunkte der Pastoral, entwickelt mit den späteren Diakonen Alexander Vogl, Clemens Schliermann und Heinz Lenhart, waren die Gestaltung der Liturgie mit neuen Formen, die Unterstützung und Begleitung der Jugendarbeit und die Schulung der Ministrantengruppen. Der Kinderchor „Regenbogen“, der Jugendchor „Sunrise“ und die Gründung des Kirchenmusikvereins Auerbach setzten musikalische Akzente. Ganz besondere Erlebnisse waren für mich die regelmäßigen Studienreisen in biblische Länder für und mit Menschen aus der Gemeinde. Ministrantenfahrten nach Assisi, Rom, Benediktbeuern und in die Schweiz sowie regelmäßige Zeltlager mit der KJG kamen dazu. Zusammen mit einer kleinen Gruppe von Moderatoren und -innen wagten wir es zum Jubiläumsjahr 2006, Glaubensgespräche zu gestalten, die auch inhaltlich das Jubiläumsjahr (50 Jahre Heilig Kreuz) markieren sollten. Dabei fanden wir regelmäßige Unterstützung durch Pfarrer Walter Mückstein, damals Leiter des spirituellen Zentrums der Diözese. Die Themen gingen uns nicht aus: „Sehnsucht nach Leben“, „Verwandle deine Angst“, „Auf der Suche nach Gott“, „Ich bin so frei…!“
Anteil der Ehrenamtlichen
Ich blicke zurück und es liegt auf der Hand, dass ich allein nur einen Bruchteil von dem geschafft hätte. Ohne die vielen Menschen um mich herum, die sich begeistern ließen (die sogenannten „Ehrenamtlichen“) wäre dieser Rückblick sehr mager ausgefallen.
Meine Motivation
Mich fasziniert die Darstellung der Nachfolge Jesu auf der Ikone „Christus und der Heilige Menas“ aus dem 6./7. Jahrhundert. Jesus und sein Jünger gehen auf Augenhöhe miteinander und ihr Blick ist nach vorne gerichtet, Weggefährten im Für- und Miteinander. Oft wurde ich gefragt, meist von meinen Schülerinnen und Schülern, warum ich Priester geworden bin. Ich bin Priester geworden, um Impulse zu setzen und mitzuarbeiten, damit aus dem Geist des Evangeliums Gemeinschaften entstehen, die für die Menschen attraktiv sind. Dazu ist die Botschaft des Evangeliums gedacht. Dies gilt es zu verkünden und vor allem zu leben, schlicht, bescheiden und einladend, in der Praxis des Alltags. Das Labyrinth wird mir dabei zum persönlichen Symbol für das Leben mit seinen Wegen, manchmal rätselhaft und verschlungen, aber das Ziel, die Mitte, vor Augen.
Danke!
Mein herzlicher Dank gilt allen Menschen hier aus Bensheim, besonders aus St. Georg und Heilig Kreuz, die meine Pfade mitgegangen sind in der Gewissheit, dass wir unsere je eigene Berufung haben, im Leben etwas zu tun. So ist die Aufgabe eines jeden einmalig, ebenso einmalig wie seine Möglichkeit, sie zu erfüllen.
Glück- und Segenswünsche der Pfarrei an Eduard Schließmann
Die Pfarrei Heilig Geist an der Bergstraße gratuliert Pfarrer i. R. Eduard Schließmann herzlich zu seinem Diamantenen Priesterjubiläum und dankt ihm für sein langjähriges, segensreiches Wirken – insbesondere in den Gemeinden St. Georg und Heilig Kreuz. Wir laden herzlich ein, dieses besondere Jubiläum gemeinsam im Festgottesdienst am Sonntag, 27. September um 16.00 Uhr, in der Kirche Heilig Kreuz mitzufeiern.
